Es gibt einen Unterschied zwischen Wissen, Verstehen und Verändern, den viele Coaching-Ansätze übergehen. Wissen bedeutet, eine Information zu besitzen: Ich weiß, dass ich abends emotional esse. Verstehen bedeutet, diese Information mit einer Ursache zu verknüpfen: Ich verstehe, dass ich abends esse, weil ich tagsüber meine Grenzen nicht spüre. Verändern bedeutet, im entscheidenden Moment tatsächlich anders zu reagieren. Das gelingt allerdings nur, wenn eine andere Reaktion als die bisher bekannte im Körper zur Verfügung steht.
Diese 3 Ebenen liegen neurobiologisch nicht im gleichen System. Die Gedächtnisforschung unterscheidet seit Langem zwischen deklarativem Gedächtnis, also Fakten und Ereignissen, die bewusst erinnerbar sind, und nichtdeklarativem Gedächtnis, also Gewohnheiten, Fertigkeiten und eingeübten Reaktionsmustern, die unbewusst ablaufen. Beide Systeme stützen sich auf unterschiedliche Hirnstrukturen (Squire 2004).
Ein Muster zu verstehen, ist eine Leistung des deklarativen Gedächtnisses. Ein Muster zu verändern, betrifft das nichtdeklarative System, in dem eine über Jahre eingeübte Reaktion gespeichert ist. Deshalb kann ein Klient sein Verhalten fehlerfrei erklären und trotzdem immer wieder gleich handeln, und zwar selbst dann, wenn diese Handlung zu einem starken Leidensdruck führt. Es sind schlicht zwei verschiedene Systeme im Spiel, die beide für nachhaltige Veränderungsprozesse mit einbezogen werden müssen.